Zur Geschichte des Tanzhausfestes
Was ist auf dem Flyer - was ist dessen Bedeutung und wen stört's - überhaupt, wer ist der Zeichner und ist das jetzt schön oder nicht?
Im Rückblick wurde mehr über die Werbung gesprochen als über die Musik vom
21. Leipziger Tanzhausfest vom 25. Mai bis 28. Mai 2006
Dabei gab es einige Highlights aus der deutschen und internationalen Tanzszene zu belauschen: Die Zwei (Marburg/Leipzig), Tritonus (Berlin), FAUST (Schweden), Tants in Gartn Eydn (Berlin), All You can dance (Erlangen), Din Delòn (Italien), Die Hayner (Süddeutschland) und unsere Leipziger Bands Swedenquell, Wimmerschinken und Zerrwanst & Co.
Mit Klarinette und Gitarre mussten sich Die Zwei, Eckart und Michael, gegen die an Anzahl und Lautstärke überlegenen Gruppen bewähren. Nach Swedenquell ist die Bühne ohnehin nur schwer wieder auszufüllen ;-) Die Zwei nahmen uns auf eine zärtlich verschmuste Reise durch ihre Tanzwelt mit und wir schwebten in Paaren eng umschlungen von Skandinavien nach Frankreich.
Die Berliner Gruppe Tritonus schöpft ihre Ideen aus den Schätzen traditioneller deutscher und französischer Tanzmusik. Auch die Eigenkompositionen klingen rund und stimmig. Kein Problem, den Geist ein wenig schweben und sich selber treiben zu lassen.
Musik aus Bohuslän und Dalsland - frisch entstaubt und mit natürlichem Fettgehalt. Alles in Handarbeit, selbst die Instrumente sind Eigenbau. Alban, Christer und Anders sind schließlich Instrumentenbauer. Auf einem schwedischen Tanzfest werden nach einer Polska grundsätzlich zwei Polskas gespielt - ab und an hängt vor der Polska noch ein Slang. In weiser Voraussicht haben wir gefragt, ob FAUST auch etwas anderes spielen würden - Hambo vielleicht - also wir haben nachdrücklich gefragt und tatsächlich, neben Sottis und Vals gab es - pointiert angegündigt - auch ein paar Hambos. Wir ließen mit den Füßen abstimmen, ob man zu der Musik von FAUST tanzen kann - klares Ergebnis: ja, natürlich kann man.
Klezmer ist (auf dem Tanzhausfest) natürlich tanzbar, denn Klezmermusik ist nichts anderes als Musik zum Feiern und zum Tanzen. So sehen das außer uns auch die Gruppe Tants in Gartn Eydn. Und damit auch alles klappt haben Eydns Musiker neben diversen Freylekhs, Horas und... auch ihren Tanzmeister mitgebracht, der den Tanzabend am Freitag mit schlängelnden Tanzketten eröffnet hat und im weiteren Verlauf diese Ereignisketten zu paradiesischen Clustern verknotet hat und - Fügung oder Weisheit - auch wieder lösen half.
All You Can Dance hatten beim ersten Auftritt ziemlich Pech - woran es lag, dass der Sound schlecht war, wissen wir nicht. Aber beim zweiten Abend holten die vier Erlanger alles nach. Klar, der Name ist Programm: fränkisch international.
Energiegeladen und mit viel Gefühl ging die italienische Musik von Din Delòn, dem klaren Liebling des 21. Tanzhausfestes, nicht nur primo in die Füße und secondo in die Wade sondern auch terzo in den Po, quarto in den Bauch und al fine in die Fingerspitzen. Bei mehrstimmigen Gesangsballaden um Mitternacht hatte dann jeder Gänsehaut und auch die Organisatoren haben mehrere Minuten Konzert ohne Tanz akzeptiert.
Auch wenn der Deutschfolk-Indikator bei ihnen oft auf 100% steht, schauen Die Hayner weit über den hessischen Tellerrand hinaus. Klasse Musik, klasse gespielt - wer hätte anderes erwartet. Bis zum nächsten Auftritt Der Hayner lernen wir auch alle den Mardi Gras. Mittanzen ist schließlich schöner als nur ein paar Könnern beim Tanzen zuzuschauen




